Überfahrt

Der Himmel leuchtet in den phantastischsten Farbtönen, feuerrot, violett, golden, dunkelrot, dann wieder ein leuchtendes Gelb. Ein Maler hätte keine schönere Zusammenstellung finden können. Langsam durchtrennt der Kiel der Fähre das Wasser. Hinter ihr bilden sich große, schwere Wellen, die, je weiter sie sich vom Schiff entfernen, immer kleiner und flacher werden. Wildgänse und Schwäne, Enten und Haubentaucher lassen sich durch die Wellen treiben und schaukeln, wie kleine Boote dahin.
Auf dem Oberdeck sitzen vereinzelt Passagiere, sie erfreuen sich am Anblick des Sonnenunterganges. Immer weiter entfernt sich die Fähre von der Insel.
Es liegt eine Stimmung in der Luft, bei der man ins träumen kommt. Jetzt hier oben sitzen, eine schöne Frau im Arm, sich gegenseitig wärmen und an die schönste Sache der Welt denken.
Sie betritt das Schlafzimmer, es ist bereits weit nach Mitternacht. Ihre Hand sucht nach dem Lichtschalter.
Trotzdem sie ihn betätigt, das Licht scheint defekt zu sein. Plötzlich versucht irgend jemand ihr ein Tuch von hinten vor die Augen zu binden und sie, obwohl sie Angst vor solchen Angriffen hat, lässt es geschehen. Da ist wieder der Duft, der bekannte Duft, den sie schon einmal in ihrer Umgebung wahrgenommen hatte. Hinter ihr schließt sich die Tür. Unter ihrer Augenbinde bemerkt sie, das es doch hell im Raum geworden ist. Im Hintergrund ist leise, romantische Musik zu hören. Eine Hand führt sie. Ihr Knie stößt an etwas Hartes, die Kante vom Bett. Beinahe wäre sie gestolpert, zum Glück konnten seine starken Arm sie noch halten.
Sie bleibt stehen. Zwei Hände beginnen sie langsam von ihren Kleidern zu entledigen. Um sie herum breitet sich der bekannte Duft aus. Bei jedem Kleidungsstück, das sie verliert, steigt ihre Anspannung. Als nur noch das Höschen übrig ist und dieses behutsam nach unten gleitet, beginnt ihr Herz zu rasen. Ihr ganzer Körper steht jetzt unter Hochspannung, ihr Busen hebt sich.
Die Hände legen sie vorsichtig auf das Bett. Immer noch hat sie ihre Augenbinde um, trotzdem fühlt sie sich in jedem Augenblick geborgen, als würde sie ihren Partner schon eine Ewigkeit kennen.
Als sie mit dem Rücken auf dem Bett liegt, spürt sie etwas Weiches auf der Haut. Vom Hals ab berührt er sie. Stück für Stück, Zentimeter für Zentimeter gleitet er am Körper herunter.
Je weiter er nach unten kommt, desto schneller werden ihre Bewegungen. Ihre Atmung wird immer schneller, ihr Stöhnen immer lauter.
Als der Gegenstand die Innenseite ihrer Schenkel berührt, explodiert sie mit einem lauten Schrei zu einem unglaublichen Höhepunkt.
Völlig ermattet, aber glücklich, liegt sie auf dem Bett, nimmt ihre Augenbinde ab, um vielleicht dieses Mal die Person zu sehen, die sie so in Ekstase versetzt hatte.
Neben ihr liegt eine lange Pfauenfeder, aber im ganzen Zimmer ist niemand zu sehen. Mit einem lauten Knall fällt plötzlich die Zimmertür ins Schloss.
Er war also hier und konnte wieder ungesehen den Raum verlassen.
Ein plötzlicher Ruck – die Fähre hat am Festland angelegt.
Ich muss wohl eingenickt sein, nehme meine Sachen und verlasse das Schiff.
Auf der Rückfahrt gehen mir meine Gedanken noch einmal durch den Kopf und ich wünschte mir, Du wärst hier.

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